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Warum kennen die meisten Menschen die Namen „John Locke“ oder „Jean-Jacques Rousseau“, nicht jedoch die Namen „Olympe de Gouges“ oder „Harriet Martineau“?

In der auf Monarchie, Adel und Feudalismus beruhenden Ständegesellschaft des europäischen Mittelalters gab es weder für Frauen noch für Männer demokratische Rechte, was sich wiederum auf das herrschende Frauenbild wenig förderlich auswirkte. 

Der italienische Theologe und Philosoph Thomas von Aquin (1225–1274) meinte gar, die Frau sei „ein nicht ganz geglückter, vollständiger Mann“ und verfüge über „geringere Körperkraft und daher auch geringere geistige Fähigkeiten“. (Übersetzt nach Thomas von Aquin: Summa Theologiae I, quaestio 92, articulus 1)

Dennoch gab es auch in dieser Zeit Frauen, die sich dem Credo entgegenstellten. Die französische Schriftstellerin Christine de Pizan (1364–1430) etwa verfasste 1405 das „Buch von der Stadt der Frauen“, in welchem sie das Bild einer utopischen Gesellschaft entwickelt, in der Frauen die gleichen Rechte gewährt werden wie Männern. Selbstbewusst verkündete sie: „Diejenigen, die Frauen aus Missgunst verleumdet haben, sind Kleingeister, die zahlreichen ihnen an Klugheit und Vornehmheit überlegenen Frauen begegnet sind“. 

Christine de Pizan ©Bibliothèque nationale de France, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Christine_de_Pisan_and_her_son.jpg
©Bibliothèque nationale de France, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Christine_de_Pisan_and_her_son.jpg
Aus der Sonderausstellung Demokraite er-leben - Frauen für die Demokratie ©KANIZAJ photography
©KANIZAJ photography

Das Zeitalter der Aufklärung legte den Grundstein für unsere heutige Form der Demokratie, mit wichtigen Vordenkern wie John Locke (1632–1704) oder Jean-Jacques Rousseau (1712–1778). Frauen wurden aus diesen Debatten jedoch häufig ausgeschlossen. Da man die Unterordnung der Frau allerdings nicht mehr allein durch Religion rechtfertigen konnte, wurden pseudo-wissenschaftliche Erklärungen gesucht, wie etwa der „Geschlechtscharakter“. Dabei wurden körperliche Merkmale der Geschlechter auf den Geist übertragen.

Neben den männlichen Denkern, die meist solche Positionen vertraten, gab es jedoch auch Frauen, die wegweisende Schriften publizierten. Mary Wollstonecraft (1759–1797) schrieb mit ihrer „Verteidigung der Rechte des Weibes“ beispielsweise ein wegweisendes Werk der feministischen Philosophie, in dem sie die Gleichheit von Männern und Frauen in allen Aspekten fordert. Während und nach der französischen Revolution veröffentlichten Manon Roland (1754–1793) und Olympe de Gouges (1748–1793) wichtige politische Schriften. Letztere wurde für ihre Forderung nach gleichen Rechten für Frauen von den Revolutionären enthauptet. 

Mit der Revolution von 1848 erfuhr die demokratische Idee im Kaisertum Österreich  einen starken Aufschwung. Daran waren auch Frauen maßgeblich beteiligt. Im August des Jahres 1848 fand die sogenannte Praterschlacht statt, die heute als erste Frauendemonstration Österreichs gilt. Der konkrete Anlass war, dass die Löhne der weiblichen Erdarbeiterinnen weiter gesenkt werden sollten, obwohl sie ohnehin schon weniger verdienten als ihre männlichen Kollegen. Der Protest wurde von der bürgerlichen Nationalgarde gewaltsam niedergeschlagen, wobei 18 Arbeiterinnen starben und 282 Personen verwundet wurden.

Praterschlacht ©Eduard Weixlgärtner, Lithographie, British Library, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BACH(1898)_p513_Kampfszene_mit_Arbei
©Eduard Weixlgärtner, Lithographie, British Library, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:BACH(1898)_p513_Kampfszene_mit_Arbei

Im gleichen Jahr wurde außerdem der erste politische Frauenverein Österreichs „Wiener demokratischer Frauenverein“ von Karoline von Perin (1806–1888) gegründet. Der Verein wollte das demokratische Prinzip verbreiten und kämpfte besonders für die Gleichberechtigung der Geschlechter in der Bildung. Karoline von Perin war selbst aktiv an der Revolution beteiligt und wurde auch zu einer Angriffsfläche für Gegner der Frauenbewegung. So wurde sie etwa in der Presse als „schmutzige Amazone“ bezeichnet. 

Karoline von Perin ©Wallner, Österreichische Nationalbibliothek, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karoline_von_Pasqualati-Osterberg_1829.jpg
©Wallner, Österreichische Nationalbibliothek, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Karoline_von_Pasqualati-Osterberg_1829.jpg
Ersten Frauen im Nationalrat ©?NB
©?NB
Die weiblichen Abgeordneten der sozialdemokratischen Partei:
Erste Reihe von links: Adelheid Popp, Anna Boschek
Zweite Reihe von links: Gabriele Proft, Therese Schlesinger
Dritte Reihe von links: Maria Tusch, Amalie Seidel

Mit der Ausrufung der Republik in Österreich am 12. November 1918 ging noch ein weiteres historisches Ereignis einher: die Einführung des Frauenwahlrechts. Dem voraus gingen große Proteste, wie etwa die Frauendemonstration 1911 anlässlich des ersten internationalen Frauentags, dessen primäre Forderung das Frauenwahlrecht war. Dabei thematisierte man aber auch heute noch aktuelle Bereiche, wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder Rechte zur körperlichen Selbstbestimmung. 

Im Jahr 1919 zogen die ersten Frauen ins Österreichische Parlament ein: Therese Schlesinger, Adelheid Popp, Emmy Freundlich, Gabriele Proft, Marie Tusch, Amalie Seidel, Anna Boschek und Hildegard Burjan. Ihre Beteiligung führte etwa zur Lex Rudel-Zeynek, die den Unterhaltsanspruch unehelicher Kinder regelte und so den alleinerziehenden Müttern half, oder zum Hausgehilfinnengesetz, wobei es sich um ein Arbeitsschutzgesetz gegen Misshandlungen am Arbeitsplatz für diese gefährdete Gruppe handelte. 

Während der Zeit des Nationalsozialismus kam es im Bereich der Frauenrechte zu großen Rückschritten, wobei die Rolle der Frau wieder verstärkt im Haushalt und besonders im Bereich der Kindererziehung gesehen wurde. Frauenspezifische Probleme traten aber auch im Widerstand in den Hintergrund, da es vorrangig um das politische Überleben der demokratischen Bewegung ging. Doch auch in dieser Bewegung spielten Frauen eine essentielle Rolle. In Österreich war es Rosa Jochmann die Organisation der Sozialdemokratischen Partei im Untergrund in die Hand nahm und aufgrund ihres politischen Engagements  1939 von den Nationalsozialisten in das KZ Ravensbrück deportiert wurde. Sie überlebte und betätigte sich unmittelbar nach Kriegsende wieder politisch. 

Frauen waren in der NS-Zeit aber nicht ausschließlich Opfer des Regimes, viele beteiligten sich aus freien Stücken enthusiastisch am neuen System. Auch in der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten waren Frauen vertreten, 10% des KZ-Personals waren Frauen. Viele dieser ehemaligen NS-Frauen wurden von den Alliierten nach Kriegsende gezwungen, Aufräumarbeiten durchzuführen. Sie bildeten die eigentliche Mehrheit der sogenannten „Trümmerfrauen“, deren zum Heroismus stilisierter Einsatz heute als ein Mythos der Nachkriegszeit diskutiert wird. 

In Österreich durften Frauen nach dem Ende des Krieges wieder wählen und bildeten anfangs sogar zwei Drittel der Wählerschaft. Allerdings waren nur 6% der Abgeordneten im Parlament Frauen, womit die politische Repräsentation von Frauen in der Politik also nur sehr eingeschränkt vorhanden war.

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