Tödliche Gewalt an Frauen
Im Jahr 2024 wurden weltweit 83 000 Frauen getötet, 50 000 davon von ihrem Intimpartner oder einem Familienmitglied. Auch wenn Österreich aktuell als eines der Länder mit den geringsten Mordraten geführt wird, Tendenz fallend, handelt es sich bei der Mehrheit der untersuchten Morde an Frauen um geschlechtsspezifische, so genannte „Femizide“, die zum größten Teil wiederum von den eigenen Partnern der getöteten Frauen begangen wurden. Studien verdeutlichen zudem, dass das eigene Zuhause als Tatort von weiblichen Ermordeten generell doppelt so häufig dokumentiert ist als bei männlichen.
Die historische Sammlung des Hans Gross Kriminalmuseums umfasst ebenfalls Dokumente tödlicher Gewalt an Frauen. Der Großteil auch dieser überlieferten Fälle beschreibt geschlechtsspezifische Gewalttaten, die sowohl in der Wissenschaft als auch in den Medien heute als „Femizide“ bezeichnet würden, auch wenn es sich bei dieser Bezeichnung genau genommen nicht um einen juristischen Begriff handelt.
Die Prägung und von nun an fortwährende Reflexion des Begriffs Femizid beginnt in der feministischen Literatur der 1970er Jahre und mündet im Jahr 2012 in eine umfangreiche Definition im Rahmen der „Vienna Declaration on Femicide“ der Vereinten Nationen ein. Seit dem Jahr 2020 findet sich der Begriff Femizid im Duden erläutert als „tödliche Gewalt gegen Frauen oder eine Frau aufgrund des Geschlechts“. Definitorische Schwierigkeiten im Austausch juristischer und gesellschaftskritischer Argumente ergeben sich insofern, als auch geschlechtsspezifische Tötungsdelikte nicht notwendig den Vorsatz der Tötung beinhalten und somit juristisch entweder dem Straftatbestand des Mordes oder aber des Totschlags zugeordnet werden müssen, während umgekehrt aus gesellschaftskritischer Perspektive die Begriffe des Mordes und des Todschlages geschlechtsneutral fungieren und somit das intendierte Spezifikum eines Femizids nicht zu erfassen vermögen.
Die Geschichte der Objekte und der konkreten Kriminalfälle werden in der Vitrine genauer erläutert.
Literatur:
Bundesministerium für Inneres, Kriminalpolizeiliche Anzeigenstatistik. Kriminalitätsbericht 2025. Entwicklung der Kriminalität in Österreich, Wien 2026.
FH Joanneum, Morde in Österreich. Eine soziologische Untersuchung auf Basis einer statistischen Analyse der Todesursache „Mord“ im Zeitvergleich 1970–2024, Graz 2024.
Teresa Guggenberger, Vom Familiendrama zum Femizid. Die Veränderung der Berichterstattung über Femizide in österreichischen Medien von 2014 bis 2023, Graz 2024.
Institut für Konfliktforschung, Untersuchung Frauenmorde – eine quantitative und qualitative Analyse, Wien 2023.
UNODC and UN Women, Femicides in 2024. Global Estimates of Intimate Partner/Family Member Femicides, United Nations publication 2025.