Wiederholte Gewalt an Frauen
Gewalt gegen Frauen, insbesondere im Rahmen häuslicher Gewalt, ist auch in Österreich selten ein einmaliges Ereignis, sondern zieht sich meist als fortlaufende Gewaltspirale durch die Beziehung. Aktuelle Studien zeigen: Mehr als 60 % der Frauen, die in einer Partnerschaft Gewalt ausgesetzt sind, erleben körperliche oder sexualisierte Übergriffe respektive Vergewaltigungen wiederholt innerhalb derselben Beziehung. Das Risiko für schwere Wiederholungstaten bis hin zu Femiziden steigt dabei drastisch an, wenn Frauen sich von ihren gewalttätigen Partnern endgültig zu trennen versuchen.
Kriminologische Rückfallfallprognosen unterscheiden heute statische und dynamische Faktoren, die häufig auf ein komplexes Zusammenspiel von eigenen Gewalterfahrungen, Persönlichkeitsstörungen, Substanzmissbrauch und mangelnder Resozialisierung der Täter hinweisen. Um das Rückfallrisiko von Tätern effektiv zu senken, setzen Behörden und Opferschutzorganisationen auf entsprechende Vorgehensweisen. Die Kombination aus Annäherungsverboten, Wegweisungen und der konsequenten vorläufigen Festnahme direkt am Tatort senkt statistisch die Zahl wiederholter Übergriffe im Folgejahr erheblich. Zudem wird der Einsatz elektronischer Fußfesseln zur Überwachung von Betretungsverbotszonen zunehmend ausgebaut. Bei bekannten Wiederholungstätern arbeiten Polizei, Justiz und Opferschutzeinrichtungen interdisziplinär zusammen, um Gefährlichkeitsprofile zu erstellen und gezielte Schutzmaßnahmen (wie Waffenverbote oder permanente Gefährderansprachen) zu koordinieren. Professionell angeleitete Antigewalttrainings als auch Therapien sollen das Kontrollverhalten aufbrechen und alternative Konfliktlösungsstrategien vermitteln.
Die Geschichte des Objekts und der konkrete Kriminalfall werden in der Vitrine genauer erläutert.
Literatur:
Sofia Amaral, u.a., Häusliche Gewalt und die hohe Anzahl an Wiederholungstaten – ist eine vorläufige Verhaftung der Täter sinnvoll?, München 2023.
Karin Bruckmüller, Die strafrechtliche Behandlung der Rückfälligkeit im österreichischen StGB unter Einbeziehung kriminologischer Aspekte, Graz 2011.
Romana Löffler, Die Resozialisierung von Männern, die einen Femizid verübten, Graz 2022.
Statistik Austria, Geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen in Österreich. Prävalenzstudie beauftragt durch Eurostat und das Bundeskanzleramt, Wien 2022.